Arbeiten als Innovation Scout – Zwei Biolog:innen berichten

Hast du schonmal vom Beruf Innovation Scout gehört? Innovation Scouts arbeiten in Wissenschaft und Industrie im Bereich Wissens- und Technologietransfer. Wenn an deiner Universität ein Transfer Center existiert, bist du vielleicht bereits mit ihnen in Kontakt gekommen. Sie unterstützen dich dabei, dass deine Forschung den Weg in die Praxis findet. Denn deine Forschung führt nicht nur zu neuen Erkenntnissen. Innovative Ideen aus der Forschung können zur Lösung aktueller Herausforderungen beitragen und damit realen Impact für die Gesellschaft erzeugen. Damit Innovationen Wirklichkeit werden, übernehmen Innovation Scouts vielfältige Aufgaben: Sie sensibilisieren für das Thema Transfer und inspirieren Studierende und Forschende zur Umsetzung eigener Aktivitäten, z.B. die Gründung eines Start-ups. Sie unterstützen bei der Ideenfindung, helfen bei der Suche nach passenden Fördermitteln und der Antragstellung, organisieren eigene Formate und Veranstaltungen mit Transferbezug, wie themenspezifische Events zum Netzwerken. Dabei arbeiten sie oftmals Hand in Hand mit weiteren Transferexpert:innen, z.B. mit Gründungs- oder IP-Berater:innen. Wenn es um innovative Ideen aus den Life Sciences geht, ist es von Vorteil, wenn Innovation Scouts selbst über einen naturwissenschaftlichen Hintergrund verfügen. Dieser hilft ihnen bei ihrem engen Austausch mit Forschenden.

Weitere spannende Einblicke in den Beruf erhältst du heute von Profis aus erster Hand: Wir haben mit den Biolog:innen Greta Mittweg-Grapentin und Dr. Florentin J. Schmidt – beide tätig als Innovation Scouts am Transfer Center enaCom der Universität Bonn – ausführlich zu ihrem Beruf gesprochen. Wir wünschen dir viel Spaß mit dem Interview.

Hallo zusammen, stellt euch doch einmal kurz vor. Wie lange seid ihr in eurem Beruf und wie seid ihr zum Beruf gekommen?

Greta: Hallo, ich bin Greta Mittweg-Grapentin und habe Agrarbiologie studiert – ein Studiengang, den man meines Wissens nach immer noch ausschließlich an der Universität Hohenheim in Stuttgart belegen kann. Nach dem Studium war ich zunächst unsicher, wohin mich dieser Weg führen würde. Daher bin ich erst einmal an der Universität geblieben und habe dort weitergearbeitet.

Mit der Zeit habe ich jedoch gemerkt, dass die Wissenschaft selbst nicht der richtige Ort für mich ist – und mich schließlich bewusst für einen Neuanfang entschieden. Ich bin in eine kleine Unternehmensberatung gewechselt. Dort wurde mir bewusst, dass sich parallel das Feld des Wissenschaftsmanagements immer stärker herausbildete – mit ganz neuen Stellenprofilen. Es ging zunehmend darum, wissenschaftliche Arbeit nicht nur nebenbei zu organisieren, sondern sie durch professionelle Unterstützung gezielt zu begleiten. Das fand ich spannend.

So bin ich dann wieder in den Wissenschaftsbereich zurückgekehrt – diesmal aber mit einem Fokus auf Management. Zunächst habe ich ein Projekt am Forschungszentrum Jülich im Bereich Bioökonomie betreut, das noch inhaltlich an meinen fachlichen Hintergrund anknüpfte. Nach Abschluss des Projekts wechselte ich an die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg – eine Hochschule für angewandte Wissenschaften – in den Bereich Wissenschaftstransfer. Dort war ich Teil der Verwaltung und thematisch breit aufgestellt, ohne Bindung an ein bestimmtes Fach.

Seit etwa vier Jahren bin ich nun in meiner jetzigen Position tätig. Das Transfer Center, in dem ich arbeite, wurde kurz vor meinem Wechsel gegründet. Ich war also fast von Anfang an mit dabei, als das zentrale Team für Innovationsmanagement und Gründungsberatung an der Universität Bonn aufgebaut wurde.

Florentin: Hallo, Ich bin Florentin Schmidt und von Hause aus Biotechnologe. Ich habe in Münster im Bachelor Biowissenschaften und im Master Biotechnologie studiert und im Anschluss im Bereich der Pflanzenbiotechnologie promoviert. Im Rahmen meiner Masterarbeit und meiner Promotion habe ich anwendungsnah geforscht. Dabei hat mich die Frage beschäftigt, welchen konkreten Mehrwert wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis haben können. Zudem habe ich in Münster – unter anderem in einem Mastermodul – Erfahrungen im Innovationsmanagement und Patentrecht gesammelt. In meiner anschließenden Postdoc-Zeit am Institut für Molekulare Mikrobiologie und Biotechnologie in Münster habe ich an einem partizipativen Forschungsprojekt im Umfeld der Bioökonomie mitgewirkt. Das war sehr spannend, weil das Projekt einen interdisziplinären Fokus hatte. Wir haben mit Forschenden aus der Politikwissenschaft am Zentrum für interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung zusammengearbeitet. Das hat mir ermöglicht neben klassischen Laborerfahrungen den Bereich der partizipativen Forschung kennenzulernen und mit Stakeholdern aus Gesellschaft und Wirtschaft zu tun zu haben. Aus dieser Position bin ich ins Innovation Scouting gewechselt, und habe hier am Transfer Center zeitgleich mit Greta angefangen.

Innovation Scouts Dr. Florentin J. Schmidt und Greta-Mittweg Grapentin, an einem Tisch sitzend.

Dr. Florentin J. Schmidt und Diplom-Biologin Greta Mittweg-Grapentin © enaCom / Universität Bonn

Dr. Florentin J. Schmidt

Werdegang:

  • Bachelor of Science Biowissenschaften, Universität Münster
  • Master of Science Biotechnologie, Universität Münster
  • Promotion in Pflanzenbiotechnologie, Universität Münster
  • Postdoc, IMMB, Universität Münster
  • seit 2021 – Innovation Scout, Transfer Center enaCom, Universität Bonn

Greta Mittweg-Grapentin

Werdegang:

  • Diplom Agrarbiologie
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Hohenheim
  • Consultant, Daydream GmbH
  • Wissenschaftliche Referentin, Bioeconomy Science Center Jülich
  • Stakeholder Management am Zentrum für Wissenschafts- und Technologietransfer, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
  • seit 2021 – Innovation Scout, Transfer Center enaCom, Universität Bonn

Habt ihr damals bewusst nach dem Beruf Innovation Scout gesucht?

Greta: In meiner vorherigen Stelle an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg haben wir bereits eng mit der Gründungsberatung zusammengearbeitet. Das fand ich das echt spannend. Was mich an der Stelle als Innovation Scout besonders angesprochen hat, war die Atmosphäre: Sie hebt sich deutlich von klassischen Verwaltungsstrukturen ab – es geht lockerer zu, es ist viel Raum für neue Ideen, und man kann wirklich Dinge gestalten. Das hat mich sofort gereizt. Ich habe allerdings nicht gezielt nach so einer Position gesucht – es war eher ein glücklicher Zufall, dass ich darauf gestoßen bin.

Florentin: Bei mir war es so, dass ich bereits im Studium Kontakt zur Arbeitsstelle Forschungstransfer – heute Abteilung „Wissens- und Technologietransfer“ der Universität Münster hatte. Tätigkeiten in diesem Bereich habe ich so schon frühphasig kennengelernt und fand sie spannend, weswegen ich mir eine Position in diesem Bereich vorstellen konnte. Zufälligerweise suchte das Transfer Center enaCom der Universität Bonn dann genau zu der Zeit Innovation Scouts, in der ich mir eine berufliche Weiterentwicklung vorstellen konnte.

Was genau macht ihr als Innovation Scouts?

Florentin: Als Innovation Scouts an der Uni Bonn sind wir zentrale erste Ansprechpersonen rund um das Thema Wissens- und Technologietransfer. Grob gesagt unterstützen wir den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Praxis und begleiten dabei Forschende und Studierende der Universität.

Greta: Genau, wir verstehen uns als Brücke zwischen Wissenschaft und Anwendung. Wir verbinden z.B. Forschung und Markt oder Studierenden und Forschenden mit der Gründungsszene. Wir sind also generell eine wichtige Schnittstelle nach außen. Gleichzeitig besteht die Hauptaufgabe darin, Innovationspotenziale zu erkennen, die richtigen Menschen zu vernetzen und Prozesse aktiv in Gang zu bringen.

Florentin: Eine unserer zentralen Aufgaben ist die Sensibilisierung für das Thema Transfer an der Universität Bonn. Wir bieten dafür zum Beispiel Workshops an, die Ideenfindung unterstützen und den Weg wissenschaftlicher Erkenntnisse und innovativer Ideen in die Anwendung sowie unternehmerisches Denken und Handeln vermitteln. Bei unserer Tätigkeit sprechen wir verschiedene Zielgruppen an, vor allem Studierende und Forschende und vernetzen Transferinteressierte miteinander. Dabei unterstützen wir insbesondere den inter- und transdisziplinären Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, aber auch in Richtung Politik und Gesellschaft. Durch unseren wissenschaftlichen Hintergrund können wir zwischen verschiedenen Stakeholdern gut übersetzen.

Greta: Deswegen machen wir auch Netzwerkveranstaltungen und bringen relevante Stakeholder zusammen, die wir miteinander vernetzen. Eine weitere Kernaufgabe ist das Identifizieren von Transfer- und Innovationspotentialen in der Wissenschaft. Wir sprechen dafür viel mit Forschenden, sind auf Veranstaltungen, Symposien, Fachveranstaltungen und kommen mit Leuten ins Gespräch oder gehen gezielt auf Leute zu, die wir in der Vorbereitung identifiziert haben.

Inwiefern unterscheidet sich der Beruf z.B. von einer Gründungsberater:in?

Florentin: Das ist eine Frage der Perspektive: Der Fokus der Gründungsberatung liegt auf der Beratung und Begleitung von Teams, die das klare Ziel verfolgen ein Start-up zu gründen. Unsere Arbeit als Innovation Scouts beginnt frühphasiger in der Wertschöpfungskette. D. h. zu dem Zeitpunkt, an dem wir mit Studierenden und Forschenden in Kontakt kommen, sie beraten und unterstützen, steht der genaue Verwertungsweg ihrer Ideen bis zur Anwendung oft noch gar nicht so genau fest. Damit frühe innovative Ideen später – zum Beispiel als Start-up – tatsächlich Realität werden, beschäftigen wir uns auch mit der Frage, wie transferorientierte Projekte frühzeitig finanziell gefördert werden können und unterstützen dahingehend z.B. mit individuellem Coaching und Beratung.

Ihr versucht also erstmal ans Gründungsthema heranzuführen?

Greta: Genau, wir kommen mit Studierenden und Forschenden ins Gespräch, erfassen die Ausgangslage, schauen in welche Richtung die Transferaktivität geht und wie weit sie bereits vorangeschritten ist. Dann beraten wir bedarfsorientiert insb. zu wirtschaftlichen Verwertungsmöglichkeiten und das Thema Gründung, aber je nach Bedarf zu Transfer in Richtung Industrie oder Gesellschaft bspw. in Form von Kooperationen.

Florentin: Sobald sich herauskristallisiert, dass ein Team den Weg zum Start-up einschlagen möchte, beraten wir oft im Tandem mit unserer Gründungsberatung oder übergeben das Coaching der Teams vollständig an diese. Wir haben als Innovation Scouts und Gründungsberatung verschiedene Stärken und Aufgaben. Das Tolle ist, das wir im Transfer Center enaCom ein mehrköpfiges Team sind, das sich ergänzt und über Expertisen in diversen Bereichen einschließlich Innovation Scouting, Gründungsberatung und Intellectual Property Management verfügt. Gibt es z.B. Fragen zum Schutz von geistigem Eigentum binden wir unsere IP-Experten ein.

Ist euer Job denn ein Job typisch für Biolog:innen? Welchen Hintergrund haben eure Kolleg:innen?

Greta: Ich denke man ist generell gut für die Position als Innovation Scout geeignet, wenn man analytisch denkt und einen naturwissenschaftlichen Hintergrund hat. Aber es ist nicht grundsätzlich ein Job für Biolog:innen. Wir haben in unserem Team Personen aus den Ernährungs-, Sport- und Wirtschaftswissenschaften sowie aus der Biologie. Also das ist wirklich breit gefächert. In der Stellenausschreibung wurde auch nicht explizit nach einem bestimmten Abschluss gefragt, aber Naturwissenschaften war mit aufgelistet.

Florentin: Einige Innovation Scouting-Kolleg:innen, die ich von anderen Universitäten kennenlernen durfte, kommen auch aus den Naturwissenschaften. Ich glaube aber noch wichtiger als die fachliche Expertise, die die Person mitbringt, sind fachübergreifende Skills. Grundlegende Kenntnisse im Innovationsmanagement und Patentrecht sind z.B. förderlich. Auch ausgeprägte Softskills, vor allem in der Kommunikation. Ich denke auch das passende Mindset spielt eine Rolle. Man sollte Lust haben Menschen für Wissens- und Technologietransfer und Innovation zu begeistern und wissenschaftliche Kenntnisse in die Praxis zu bringen.

Habt ihr je nach Hintergrund denn einen anderen Schwerpunkt?

Greta: Ja. Primär sind wir entsprechend unserem fachlichen Hintergrund thematisch verschiedenen Forschungsbereichen zugeordnet. Ich z. B. bin z.B. insb. für die Themen Agrar, Landwirtschaft und Food zuständig und Florentin u.a. für Life Sciences. Dadurch können wir eine Breite an Forschenden thematisch abdecken. Es gibt aber auch themenoffenere Aktivitäten und Fördermittel, zu denen wir ebenso beraten.

Florentin: Da wir es oft mit interdisziplinären Teams zu tun haben, die innovative Ideen haben, schauen wir bei unserer Arbeit durchaus über unsere primären fachlichen Zuständigkeitsbereiche hinaus über den Tellerrand und arbeiten dabei eng zusammen. Dabei kann es auch vorkommen, dass wir für Themen zuständig sind, die wir nicht studiert haben. Ich begleite zum Bespiel auch Teams und Projekte aus Physik, Chemie oder Astronomie bei ihren Transferaktivitäten. Außerdem unterstützen Greta und ich z.B. im Bereich gemeinwohlorientierter Innovationen auch Personen aus den Geisteswissenschaften.

Wie sieht denn euer typischer Arbeitsalltag aus? Welche Aufgaben gehören noch zum Beruf?

Greta: Ich glaube einen typischen Arbeitsalltag gibt es so gar nicht. Wir werden im Alltag angesprochen, von Forschenden oder Bereichen der Uni Bonn kontaktiert, teilweise auch mit zeitkritischen und konkreten Anliegen. Zum Beispiel wird nach Unterstützung bei Antragsstellungen oder beim Schutz geistigen Eigentums gefragt oder in Gesprächen erste Ideen für Transferaktivitäten thematisiert. Das heißt wir müssen uns immer sehr flexibel darauf einstellen, da die Anfragen meist eher kurzfristig eintreffen. Ich würde aber sagen wir haben eine ausgewogene Aufteilung in Beratung auf der einen Seite und Veranstaltungen auf der anderen. Wir sind dabei regelmäßig im Austausch innerhalb des Teams, aber auch mit Forschenden der Uni Bonn und Stakeholdern aus dem Bonner Umland und darüber hinaus. Ein Teil unserer Arbeit besteht auch aus der Organisation und Durchführung verschiedenster Veranstaltungen und Formate – sei es im Bereich Netzwerken oder Weiterbildung. Wenn ich im Büro bin, geht es oft darum, Gespräche nachzubereiten oder das nächste Treffen vorzubereiten. Daneben gehört auch das kontinuierliche Beobachten aktueller Trends und Themen dazu – also zu schauen, was gerade in der Innovationslandschaft gefragt ist.

Der Arbeitsalltag ist also sehr abwechslungsreich und kein Tag gleicht dem anderen. Etwa die Hälfte der Zeit sind wir im Büro, die andere Hälfte unterwegs – bei Terminen, Veranstaltungen oder in der direkten Zusammenarbeit mit Partner:innen. Wir haben zudem eine gewisse Flexibilität: Das heißt, wir können eigene thematische Schwerpunkte setzen und diesen auch gezielt Zeit widmen. Insgesamt ist die Arbeit sehr dynamisch und passt sich laufend den aktuellen Gegebenheiten und Entwicklungen an.

Ihr organisiert also auch Veranstaltungen. Bewerbt ihr diese selber oder habt ihr dafür eine Marketing-Abteilung?

Florentin: Im Transfer Center enaCom arbeitet eine Kommunikationsreferentin, die die Marketing-Aufgaben hauptsächlich übernimmt und dabei eng mit der Hochschulkommunikation und anderen Partner:innen zusammenarbeitet. Mit dieser Person arbeiten wir eng zusammen, z.B. bei der Bekanntmachung von Fördermittelausschreibungen. Zusätzlich sprechen wir Innovation Scouts Personen aus unserem Netzwerk oft direkt an, um z.B. auf unsere Beratungsangebote aufmerksam zu machen. Dies erfolgt z.B. durch Mailings oder Telefonate. Für Marketing-Kampagnen, z. B. zu unserem Workshop-Programm, nutzen wir unsere Website oder klassisch analoge Formate wie Flyer. Manchmal sind wir auf passenden Veranstaltungen auch mit einem Infostand präsent.

Vorhin habt ihr erwähnt, dass Technologie- und Wissenstransfer in verschiedene Richtungen gehen kann, wie Industrie oder Gesellschaft. Welche Anteile machen diese Richtungen aus?

Florentin: Der Fokus bei uns liegt klar auf Technologietransfer und dabei insbesondere auf der Unterstützung von Teams und Projekten, die das Ziel einer Gründung oder anderweitigen wirtschaftlichen Verwertung verfolgen. Darüber hinaus beraten und unterstützen wir auch Aktivitäten und Projekte im Bereich des Wissens- und Technologietransfers, die gemeinwohlorientiert sind bzw. zur Sichtbarkeit in der Gesellschaft von innovativer Forschung und Innovationen aus der Wissenschaft, sowie unternehmerischem Denken und Handeln beitragen und den Dialog über diese Themen fördern. Hierzu zählt z.B., dass wir Forschenden ermöglicht haben ihre Technikforschung und Innovation auf der Nacht der Technik Bonn/Rhein-Sieg der Öffentlichkeit vorzustellen. Ebenso beraten wir z.B. im Bereich des thematisch jährlich wechselnden Wissenschaftsjahres auch zu Fördermitteln, die Public Outreach-Aktivitäten ermöglichen.

Greta: Der genaue Fokus hängt dabei auch etwas vom Fachbereich ab. Manche Vorhaben haben ihn klar auf Technologietransfer, bei anderen liegt er mehr Innovationen und innovative Formate im gesellschaftlichen Bereich, wo dann z.B. Politikberatung gemacht wird.

Florentin: Bei uns sind zunächst alle Anfragen zum Thema Transfer willkommen. Wir schauen dann individuell, ob und wie wir unterstützen können. Betrifft die Anfrage ein Thema, für das eine andere Abteilung zuständig ist, übergeben wir an diese. Dafür arbeiten wir auch mit anderen Abteilungen zusammen. Ein wichtiger Partner ist dabei z.B. die Hochschulkommunikation.

Was macht euch besonders viel Spaß an eurem Beruf? Gibt es tolle Erlebnisse, an die ihr gerne zurückdenkt?

Florentin: Mir macht besonders viel Spaß, dass uns unsere Position ermöglicht, mit vielen inspirierenden Persönlichkeiten zusammenarbeiten zu können. Gleichzeitig erhalten wir spannende Einblicke in vielfältige Forschungsthemen. Wir lernen die Beweggründe von Wissenschaftler:innen kennen, in ihrem Feld zu forschen, und dürfen live erleben, was sie an ihrem Thema fasziniert. Diese Personen für Transferaktivitäten zu inspirieren oder sie bei diesen zu unterstützen und oftmals über einen längeren Zeitraum persönlich zu begleiten ist unheimlich erfüllend. So helfen wir Impact aus der Wissenschaft zu generieren. Mich motiviert vor allem diese Vielseitigkeit an unserem Beruf. Wir beraten nicht nur, sondern vernetzen auch Menschen miteinander, initiieren neue Events und Formate und können dabei kreativ sein.

Greta: Mir gefällt am besten, dass wir wirklich Leute zusammenbringen, die sonst nicht zusammenkommen würden und ihnen Ressourcen geben, also z. B. Zeit oder Raum, um neue Ideen und Innovationen zu entwickeln. Wir haben z. B. einen Hackathon für Studierende. Dort haben wir sie mit Praxispartner:innen zusammengebracht und konnten den Teilnehmenden den Raum geben, einige Tage intensiv an einer Herausforderung aus der Praxis zu arbeiten. Und es ist wirklich inspirierend zu sehen, wenn sie nachts noch am Problem arbeiten und Lösungen erarbeiten und präsentieren, die wirklich neu sind. Da sieht man dann direkt den Impact, den die Arbeit bringt.

Florentin: Zu Studierenden fällt mir noch ein, dass es mir besonders viel Spaß macht Nachwuchswissenschaftler:innen für Transfer zu begeistern. Wir lernen diese Personen oft zu einem Zeitpunkt kennen, an dem sie bislang noch gar keine oder nur wenige Berührungspunkte mit dem Thema Transfer hatten. Durch unsere Arbeit eröffnen sich den Personen ganz neue Perspektiven bezüglich ihrer Karriere. Da bekommen wir oft sehr positives Feedback zurück. Das motiviert!

Gibt es etwas, was ihr zuerst nicht erwartet habt in eurem Beruf? Etwas, woran ihr euch erstmal gewöhnen musstet?

Greta: Ich kam ja von einer Hochschule, die eher überschaubar war. Die Uni Bonn ist da nochmal ein anderes Kaliber. Das hat etwas gedauert, bis man alle Strukturen durchdrungen und sich eingearbeitet hat. Das bildet letztlich die Grundlage unserer Arbeit. Was dabei anfangs gar nicht so klar war: Es ging nicht sofort um die klassische „Hands-on“-Umsetzung, sondern zunächst darum, die internen Strukturen überhaupt erst aufzubauen. Das Transfer Center enaCom war zu Beginn unserer Tätigkeit noch ganz neu – und das bedeutete, dass wir den gesamten Aufbauprozess von Anfang an mitgestaltet und miterlebt haben. Auch innerhalb des Teams mussten wir zunächst unsere eigenen Abläufe und Arbeitsweisen entwickeln.

Florentin: Greta hat die Antwort auf die Fragen bereits sehr gut auf den Punkt gebracht. Aus meiner vorherigen zwar anwendungsbezogenen aber doch eher klassisch wissenschaftlich-akademischen Forschungsposition kommend, war es einfach etwas Neues, ins Transfer Center zu wechseln, das bei uns der universitären Verwaltung zugeordnet ist. Ich war jahrelang die wissenschaftlichen Arbeitsweisen und Strukturen aus der Biologie gewohnt, aber die verschiedenen Bereiche an der Universität arbeiten tatsächlich unterschiedlich. ich habe ehrlicherweise eine gewissen Zeit gebraucht, mich in meine neue Rolle einzufinden. Aber ich denke, das ist normal.

Hilft euch in eurer täglichen Arbeit mit angehenden Start-up-Teams, dass ihr beim Transfer Center auch selbst am Aufbau der Strukturen beteiligt wart?

Greta: Ich glaube das gibt einem auf jeden Fall noch etwas mehr Flexibilität, das braucht man auch in unserem Job, da es sehr agil ist. Das ist auf jeden Fall ein Vorteil für den Job.

Florentin: Ja, den Mut und die Mentalität, die Start-ups benötigen, um neue Wege zu gehen und innovativ zu denken, der ist auch für uns als Abteilung extrem wertvoll und war sicher am Anfang besonders wichtig.

Eure Geschichte vor dem Job ist ja sehr unterschiedlich. Florentin kam von seinem Postdoc zum Job. Greta hat nicht promoviert, aber schon einige Jahre mehr Berufserfahrung mitgebracht. Wie spiegelt sich das in eurer Arbeit wieder?

Greta: Ich habe in meinen vorherigen Stellen schon sehr viel mit externen Stakeholdern zusammengearbeitet. Deswegen ist es mir leichtgefallen, unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen und mit Unternehmen im Austausch zu sein. Das ist vielleicht schwieriger, wenn man direkt von der Uni kommt. Fachlich würde ich sagen, bin ich nicht mehr so tief drin wie früher, da ich schon länger in thematisch übergeordneten Positionen war, wo das Fachliche nicht der Fokus ist. Da merke ich, dass das eher in den Hintergrund getreten ist.

Florentin: Mein direkter Wechsel aus der akademischen Schiene in die neue Position hilft mir dabei, die Bedarfe der Teams aus den Lebenswissenschaften zu verstehen und diese zu adressieren. Auch wenn es um bestimmte Laborgeräte und Verfahren geht, habe ich den Eindruck, dass ich noch sehr nah dran bin. Die Uni Bonn bietet z.B. Co-Working Labs an, d.h. Laborraum für frühphasige Start-up-Teams im Bereich der Life Sciences. Da kann ich zum Beispiel helfen einzuschätzen, ob die Labore für ein Projekt passend sind. Darüber hinaus verfügte ich vor allem aufgrund meines Postdocs schon zu Beginn meiner Tätigkeit als Innovation Scout bereits über Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit externen Stakeholdern aus Industrie und Gesellschaft. Diese Erfahrungen haben mir den Einstieg in die neue Tätigkeit erleichtert.

Wie sehen die Rahmenbedingungen in eurem Beruf aus?

Greta: Als Innovation Scouts an der Uni Bonn sind wir im öffentlichen Dienst angestellt (Entgeltgruppe TV-L13). Die Position bietet die Möglichkeit, sowohl in Teilzeit als auch Vollzeit zu arbeiten. Die Arbeitszeiten sind in einem Gleitzeitmodell organisiert, sodass eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gewährleistet ist. Home-Office ist ebenfalls anteilig möglich. Ergänzt wird die Tätigkeit durch kurze Dienstreisen, die nach Bedarf erfolgen.

Eignet sich der Job für Berufseinsteiger:innen? Welche Fähigkeiten habt ihr mitgebracht und welche haben euch gefehlt bei der Stellenausschreibung? Was sollte man allgemein mitbringen?

Florentin: Für Berufsanfänger:innen, die gerade erst ihr naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen haben, ist die Tätigkeit als Innovation Scout vermutlich nicht die naheliegendste Position. Eine gewisse Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein sind gefordert, Berufserfahrung kann da durchaus von Vorteil sein. Das hängt natürlich auch vom Charakter der jeweiligen Person ab und inwiefern man sich neben dem Studium ggf. noch anderweitig fortgebildet hat.

Greta: Man muss auch in der Lage sein, die Perspektive zu wechseln. Da wir eine Schnittstellenfunktion haben, muss man einerseits mit den Forschenden auf Augenhöhe sprechen können, aber gleichzeitig einschätzen können, wie der Markt und die Zielgruppe auf die Idee reagieren würde. Jemanden, der direkt aus der Wissenschaft kommt, fällt es wahrscheinlich schwieriger, Perspektiven außerhalb der Wissenschaft einzuschätzen. Da hilft es einfach, wenn man bereits unterschiedliche Positionen in seiner Karriere innehatte. Sonst ist es glaube ich auch generell wichtig, selbstständig arbeiten zu können, also man muss sich selbst organisieren und strukturieren können. Während meines Studiums habe ich auch einen Wirtschaftsführerschein für Biolog:innen gemacht, also etwas BWL. Das kann ich empfehlen, dadurch bin ich auch erstmal in die Unternehmensberatung gekommen. In anderen Themen wie Patentrechte, Markenrechte war ich aber nicht drin, das musste ich während des Jobs lernen.

Florentin: Da hatte ich tatsächlich die Besonderheit im Master ein Modul zu Innovationsmanagement und Patentrecht belegen zu können. Das dort vermittelte Wissen ist für unsere Position durchaus von Vorteil. Ich denke mir hat zudem die erforderliche Selbstständigkeit und das analytische Denken aus meinen vorherigen Positionen beim Einstieg geholfen. Hierzu zählt auch, dass ich in meinem Postdoc viel mit verschiedenen Stakeholdern zu tun hatte, mit denen ich kommunizieren musste. Beratung zu Fördermitteln habe ich z.B. in meinen vorherigen Tätigkeiten nicht durchgeführt. Hier musste ich mich zunächst entsprechend einarbeiten. Trotz allem Vorwissen können wir natürlich nicht alle an uns gestellten Fragen im Detail beantworten. Das ist aber auch nicht erforderlich. Hierfür arbeiten wir Innovation Scouts ja mit Expert:innen aus anderen Bereichen im Transfer Center zusammen, so z.B. auch eine Expertin für Marktanalysen oder einem Juristen. Diese Personen binden wir gezielt ein, wenn es relevant wird. Außerdem können wir selbst an Workshops von enaCom teilnehmen, um uns in Spezialthemen fortzubilden.

Es klingt so, als ob neben dem wissenschaftlichen Arbeiten der Fokus stark auf Soft Skills wie Kommunikation und Netzwerken liegt?

Greta: Auf jeden Fall. Auch das man lernt, sich schnell in Themen einarbeiten zu können. Dass man sich eine Stunde mit etwas befasst und direkt im Anschluss Gespräche darüber führen kann.

Weiterbildung wird dann wahrscheinlich auch groß bei euch geschrieben?

Greta: Ja, ich glaube wir haben da viel Freiheiten. Wir haben da von der Uni Bonn Angebote zur Karriereentwicklung, die wir jederzeit wahrnehmen können. Wir können auch an den enaCom-eigenen Workshops teilnehmen, wie Florentin erwähnt hat. Wir holen uns auch verschiedene Expert:innen ins Team, für Train-the-Trainer-Sessions, so dass wir das später auch weiterbilden können.

Florentin: Ich denke, dass hängt auch viel von der eigenen Initiative und Bedarfen ab. Es stehen uns viele Möglichkeiten offen.

Welche Tipps habt ihr, um in den Beruf zu kommen? Wie erwirbt man die benötigten Kompetenzen?

Florentin: Ich glaube es ist ganz wichtig, über überfachliche Fortbildungsmaßnahmen nachzudenken, während man noch im Studium ist. Ich habe selber damals bereits Angebote vom Career Center wahrgenommen. Das kann zeitlich schwierig sein, diese ins Studium einzubauen, aber sie sind es wert. Alleine schon zum Netzwerken mit Leuten aus anderen Fachbereichen. Auch die bei diesen Veranstaltungen möglichen Einblicke in verschiedene Themenbereiche haben mir weitergeholfen. Gleichzeitig sind Praktika hilfreich, sei es in der Industrie oder auch im Ausland, um schon früh den eigenen Horizont zu erweitern. Ich war z.B. im Bachelor im vierten Semester über ein DAAD-finanziertes Praktikum in Utrecht. Kommunikationsfähigkeiten lassen sich auch niedrigschwellig trainieren, z.B. in dem man das eigene Forschungsthema Menschen im Gespräch vorstellt, die nicht vom eigenen Fach sind. Empfehlenswert ist außerdem an Symposien und Konferenzen teilzunehmen, um sein persönliches Netzwerk auszubauen.

Greta: Was ich ergänzen kann, ist Mut zum nicht so geraden Karriereweg zu haben. Dass war bei mir der Fall. Ich bin durch Umwege im Transfer gelandet. Da sagt man am Anfang vielleicht, Unternehmensberatung, wie passt das denn da rein. Das hat mich aber letztendlich befähigt, solche Positionen auszuführen und hat mir Kompetenzen vermittelt, die mir geholfen haben. Das heißt, gute Planung ist wichtig, aber man sollte auch Mut haben Sachen ausprobieren. In den seltensten Fällen fällt das einem auf die Füße, meistens bringt es einen eher vorwärts, denn man nimmt immer etwas mit.

Florentin: Ich denke Zeit in Softskills und das persönliche Netzwerk zu investieren, kann sich nur positiv auswirken. Klar ist heute ist alles schnelllebig geworden, doch auch wenn es vielleicht schwerfällt, ist die Zeit für diese Aktivitäten gut investiert, möchte ich behaupten. Am Ende hat Karrierplanung natürlich auch viel mit Zufall zu tun, trotzdem hilft es gut vernetzt zu sein.

Welche weiteren Karriereschritte könnt ihr mit eurem Beruf gehen? Könnt ihr im eigenen Unternehmen aufsteigen oder müsstet ihr dafür wechseln?

Greta: Das ist schwierig, so alt ist dieses Berufsfeld tatsächlich auch nicht. Es gibt da verschiedene Möglichkeiten. Ganz traditionell könnte man sich in mittlere Management-Positionen hocharbeiten im öffentlichen Dienst. Oder man wechselt in die Industrie und arbeitet dort als Innovation Scout, da gibt es auch immer mehr Schnittstellen-Positionen. Auch die Universität Bonn hat da viele Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln. Einfach auch, weil sie sehr groß ist.

Habt ihr zum Schluss noch einen Ratschlag oder eine Lektion aus eurem eigenen Karriereweg für die Leser:innen?

Greta: Ich kann es nur nochmal wiederholen. Über den Tellerrand schauen und den Mut haben, neue Sachen auszuprobieren und zu schauen, wohin es einen führt.

Florentin: Auch ein Verständnis dafür zu haben, dass die Herausforderungen unserer Zeit nur interdisziplinär gelöst werden können. Seid offen für neue Impulse, die nicht unbedingt aus dem eigenen Fachbereich kommen. Arbeitet mit Personen aus anderen Fachbereichen zusammen, wenn ihr die Möglichkeit habt. Dadurch eröffnen sich neue Perspektiven, neue Innovationen, die uns gesamtgesellschaftlich voranbringen können.

Vielen Dank für eure spannenden Einblicke!

Und kannst du dir nun vorstellen, vielleicht später selber mal Innovation Scout zu werden? Egal wie die Frage ausfällt, hoffen wir, dass dir das Interview bei deiner eigenen Berufsorientierung geholfen hat. Falls dich die Themen Gründung und Transfer interessieren, können wir dir das Interview mit Marie Kappen, Investment Managerin ans Herz legen. Oder vielleicht ist der Beruf Business Development Manager:in eher was für dich?