
Wie schafft man den Berufseinstieg in die Pharmaindustrie? Hier erfahrt ihr mehr!
In diesem Artikel wollen wir euch einen kleinen Überblick geben, der den Start in die Pharmaindustrie erleichtern kann.
Die Tatsache, dass sich Jobbezeichnungen und Aufgaben von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden können und man mit Biologie eigentlich alles machen kann, erschwert die Stellensuche am Anfang erheblich. Denn wie soll man sich in diesem Dschungel an Möglichkeiten zurechtfinden? Das bedeutet aber auch, dass diese Möglichkeiten nicht in einem Artikel zusammengefasst werden können. Trotzdem ist hier ein Versuch, euch einen kleinen Leitfaden an die Hand zu geben.
Welche Bereiche gibt es?
Die Bereiche und Bezeichnungen eines Pharmaunternehmens unterscheiden sich sicherlich auch zwischen verschiedenen Firmen. Trotzdem lassen sich einige typische pharmazeutische Abteilungen benennen. Diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, eignet sich jedoch für einen ersten Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten!
Möglichkeiten in der Pharmaindustrie
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Bereich |
Aufgaben |
Zusätzliche Quellen |
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Forschung: Screening |
Wirkstoffsuche, Molekülbibliotheken testen |
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Forschung: Präklinik |
Tierversuche, Toxikologie, Wirksamkeitsstudien |
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Klinik: clinical strategy |
Strategisches Studiendesing |
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Klinik: clinical operations |
Betreuen von CROs (contract research organization für die Durchführung klinischer Studien). Kommunizieren intern und extern |
aus unserem Blog: |
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Quality |
Im Produktionsbereich (Stichwort: GMP), im klinischen Bereich (Stichwort: GCP). Wichtig für die Qualitätskontrolle, das Einhalten der Regularien, kümmern sich um standard operating procedures (SOPs) |
Aus unserem Blog: |
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Regulatory: Strategy |
Dokumente für Behörden, Labeling, Beipackzettel |
Aus unserem Blog: |
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Regulatory: Operations |
IT, Dokumente anlegen, elektronische Systeme, Publikationen |
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Environmental risk assessment |
Gefährdung der Substanzen für die Umwelt |
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Pharmacovigilance |
Sicherheit der Medikamente. Nebenwirkungsmeldungen, Sicherheitsprofil, Literatur, Dokumentation |
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Medical writing |
Wissenschaftliches Schreiben von Dokumenten, Zusammenfassungen |
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Medical affairs |
Wissenschaftliche Kommunikation, Anfragen vom Markt beantworten, Kongresse, Publikationen, Kommunikation zu Key Opinion Leaders |
Aus unserem Blog: |
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Commercial |
Vermarktung, Marktanalyse, Marketing |
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Market access |
Preisverhandlungen mit Behörden, Kommunikation mit STIKO u.ä., Meetings, Dokumente, Verhandlungen, Datenaufbereitung, Krankenkassen |
Aus unserem Blog: |
Einige dieser Aufgaben werden von den Sponsoren (Pharmaunternehmen) ausgelagert zu Contract Research Organisations (CROs). Dazu gehören beispielsweise das Durchführen klinischer Studien, Abfüllen von Medikamenten, analytische Assays, aber auch Bereiche aus der Präklinik. CROs sind Dienstleister, bei denen es teilweise andere Abteilungen gibt, so zum Beispiel in einem Unternehmen, das Medikamente abfüllt.
Möglichkeiten in einer CRO, die Medikamente abfüllt
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Bereich |
Aufgaben |
Zusätzliche Quellen |
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Qualitätskontrolle
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Proaktiv: Mängel verhindern |
Aus unserem Blog: |
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Qualitätssicherung: Abweichungsmanagement |
Reaktiv: Identifizierung und Korrektur von Problemen |
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Packmittelentwicklung |
Packmittelentwicklung |
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Abfüllung/Produktion |
Von Medikamenten |
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Einkauf |
Lieferketten, Markttrends, Kostenoptimierung |
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Validierung |
von Prozessen, Maschinenfunktion |
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Marketing
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Marketing für Produkte, Dienstleistungen, Kunden sind oft Pharmaunternehmen |
Aus unserem Blog: |
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Logistik |
Lagerung, Transport |
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Kundenprojektmanagement |
Projektmanagement (Pläne, Kosten, Abstimmung mit Kunde) |
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Change control |
Änderungsanträge des Unternehmens, Kommunikation (z.B. wenn Materialien geändert werden) |
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Risikomanagement |
Identifikation und Prävention von Risiken, Maßnahmen zur Prozessoptimierung, Überwachung |
Erste Schritte bei der Suche
Wie findet ihr euch nun zwischen all diesen Möglichkeiten zurecht und wie fangt ihr überhaupt an?

Mit folgenden Tipps habt ihr Anhaltspunkte, um euch bei all den verschiedenen Berufsmöglichkeiten zurechtzufinden.
Seid euch zuerst bewusst, dass viele (nicht alle!) Jobs nach dem Studium keine Laborjobs mehr sind. Außerdem macht es Sinn, sich frühzeitig Gedanken zu machen, wo es mal hingehen sollte. So kann man sich durch Praktika, Kurse und Recherche schonmal vorbereiten. Je länger solche Entscheidungen in einem wachsen, desto besser fühlt man sich am Ende damit! Und letztendlich stellt sich auch die Frage, ob eine Promotion für eure beruflichen Vorstellungen Sinn macht oder ihr mehr davon habt, früher in das Berufsleben außerhalb der Uni zu starten und Berufserfahrung zu sammeln. Und der erste Job muss noch nicht der Traumjob sein.
Stellt euch nun Fragen:
- Möchte ich einmal eine hohe Führungsposition? Wenn ja, ist die Promotion oft notwendig.
- Ist mir Laborarbeit / Forschung wichtig?
- Was ist mir persönlich wichtig im Job?
- Was motiviert mich, morgens aufzustehen (im beruflichen Kontext)?
- Kann ich mir viel Reisetätigkeit vorstellen?
- Welcher Bereich könnte zu meinen Wünschen und Vorstellungen passen?
Dann könnt ihr euch Stellenausschreibungen anschauen, euch genauer informieren und auch AI-Tools wie ChatGPT oder Perplexity als Berater hinzuziehen. Viele Unternehmen haben auch eine Bewerberberatung. Auch LinkedIn ist ein sehr wichtiges Tool zum Netzwerken, über das ihr euch auf einen kurzen „Coffee Talk“ verabreden könnt!
Dr. Nadine Leister, CSO der MEC-ABC GmbH und Co-Founder der MEC-Academy GmbH, coached Berufseinsteiger:innen der Biologie und hat einige hilfreiche Tipps für die ersten Schritte vor dem Berufseinstieg. Da es in der Biologie praktisch nicht möglich ist, bei Stellenausschreibungen nach bestimmten Begriffen zu suchen – dafür gibt es einfach zu viele verschiedene Bezeichnungen für denselben Beruf – hilft es, sich von Stellenausschreibung zu Stellenausschreibung zu hangeln. Mit der Zeit bekommt man so ein Gefühl für Schlüsselbegriffe, die einem bei der Suche weiterhelfen können. Außerdem werde dir über folgende Dinge bewusst:
- Welche relevanten Erfahrungen habe ich (Projekte, Praktika etc.)? Je näher an der Industrie, desto besser! Ein Praktikum wiegt da mehr als ein Auslandssemester.
- Welches relevante Wissen habe ich (Schulungen, HiWi etc.)?
- Welche Branche passt zu mir? (Pharma/BioTech, Kosmetik, Lebensmittel, Tiere)
- Kann ich mir Reisetätigkeit vorstellen?
- Was sind meine eigenen Interessen?
- Was sind meine Stärken und Schwächen?
- Was erfüllt mich mit Leidenschaft?
- Was sind meine must haves, no goes, und nice to haves im Job?
- Was brauche ich für meine Traumstelle: was bringe ich schon mit, wo kann ich nachjustieren und Lücken schließen?
- Wie kommunikativ bin ich?
- Arbeite ich gerne mit Dokumenten oder wissenschaftlichen Daten?
Hangle dich nach folgendem Schema zu passenden Stellen und erstelle einen Plan, um deine Ziele zu erreichen:
Branche → Unternehmen → offene Stellen → Schlagwörter
Und dann geht es eigentlich schon an die ersten Bewerbungen! Da gilt: Einfach mal probieren, Erfahrung sammeln und sich nicht demotivieren lassen. Auch wenn eine Stelle nicht als Einstiegsposition ausgeschrieben ist, sollte man es trotzdem versuchen – jeder muss schließlich irgendwo anfangen! Bei kleineren Firmen können auch Initiativbewerbungen durchaus weiterhelfen. Und als Hilfe bei den Bewerbungen haben die Career Services der Universitäten teilweise hilfreiche Tipps und bieten eine Überprüfung der Bewerbungsunterlagen an.
Katja und Larissa, die heute in einem Zentrallabor im klinischen Monitoring arbeiten, haben auch ein paar hilfreiche Tipps für euch aus ihren eigenen Erfahrungen:
- Macht euch während eures Studiums Gedanken, wie es danach weitergeht. Macht z.B. Kurse in GxP, die an manchen Unis angeboten werden.
- Macht ein Bewerbungstraining an der Uni.
- Übt mit Freunden, die euch gut kennen und holt euch Feedback über positive Eigenschaften, die ihr verkaufen könnt.
- Wenn ihr ein Praktikum machen könnt, lohnt sich das. So könnt ihr schonmal in GMP oder Datenmanagementsysteme reinschnuppern.
- Das Arbeitsamt fördert oft Weiterbildungskurse, z.B. über das Mibeck-Institut, das für klinische Forschung sehr angesehen ist.
- Gebt trotz vieler Absagen im Bewerbungsprozess nicht auf, bewerbt euch immer weiter! Wenn möglich, nehmt Feedback mit, damit ihr euch verbessern könnt!
- Gegebenenfalls müsst ihr eure Gehaltsvorstellungen am Anfang erstmal zurückschrauben, gerade für den Einstieg über kleinere Firmen.
- Schon im Studium habt ihr Dinge erlernt, die für Firmen interessant sein können:
- Priorisierung
- Selbstorganisation
- Zeitmanagement
- Informationsverarbeitung
- Projektmanagement
- Protokolle befolgen
- persönlicher Schwerpunkt, der Jobrelevant ist
Vielleicht wären auch Trainee-Stellen oder eine externe Abschlussarbeit eine gute Möglichkeit für euch, den Fuß in die Tür eines Unternehmens zu bekommen?
Wir hoffen, diese Übersicht hat euch ein bisschen helfen können. Schaut euch auch unsere anderen Tipps an, z.B. zu Motivationsschreiben oder Lebensläufen. Auch auf Instagram und LinkedIn gibt es regelmäßig neue Tipps.