Wenn sich Krankheitserreger im Trinkwasser befinden, kann das schwerwiegende Folgen haben. Dr. Beate Kilb ist stellvertretende Geschäftsfeldleiterin der mikrobiologischen Analytik am IWW Zentrum Wasser in Mülheim und sorgt dafür, dass dies nicht passiert. Zusammen mit ihrem Team ist sie viel unterwegs, um mikrobiologische Probleme in Trinkwassersystemen zu lösen und die mikrobiologischen Anforderungen der Trinkwasserverordnung bei ihren Kunden umzusetzen.
Beate berichtet uns über ihren Arbeitsalltag, wie sie zu ihrem Job gekommen ist und welche lustigen Situationen sie bei ihren Kunden tagtäglich erlebt.
Hallo Beate, stell dich doch mal kurz vor. Wer bist du? Was ist dein Werdegang? Was begeistert dich?
Mein Name ist Beate Kilb, ich komme aus Schwerte und bin Biologin. Seit vielen Jahren bin ich am IWW Zentrum Wasser in Mülheim a. d. Ruhr tätig.

Dr. Beate Kilb © IWW Zentrum Wasser
Ich bin in einem Ortsteil von Dortmund mit einem sehr dörflichen Charakter aufgewachsen. Da bin ich mit meinen Schwestern zur Grundschule gegangen. Wir sind dann später, als ich aufs Gymnasium gekommen bin, umgezogen. Ich habe damals noch nicht an ein Biologie-Studium gedacht. Ich hatte eigentlich überhaupt gar keine Ahnung, was ich einmal beruflich so machen wollte. Ich fand das Thema „Umwelt“ und das „Draußen sein“ toll und habe mich zunächst für den Studiengang Landschaftsgestaltung und Landespflege interessiert. Nach dem Abi habe ich mir gedacht, ich erkundige mich mal intensiver für die Voraussetzungen für den Studiengang und mache ein Praktikum in diesem Bereich, welches man für den Studiengang benötigte. Ich habe dann ein Praktikum beim Grünflächenamt der Stadt Schwerte gemacht. Das hat mir nach der Schule gutgetan, da es mal etwas ganz anderes war als zu Lernen und den Kopf zu benutzen. Ich habe mich über körperliche Beschäftigung gefreut. Nach dem Praktikum habe ich mich dann auf einen Studienplatz des Studienganges Landschaftsgestaltung/ Landespflege beworben. Die Bewerbung scheiterte aber aufgrund des NCs. Nachdem ich dann noch ein Praktikum in der Orchideenzucht begann und nach einer Woche aufgrund von zu großer Langeweile abbrach, beschloss ich, eine Gärtnerlehre zu machen. Dazu bin ich mit einem Freund im Raum Dortmund mit dem Auto durch die Gegend gefahren und habe bei Gärtnereien angefragt, ob die eine Lehrstelle frei haben.
Damals waren Frauen in diesem Beruf noch eine Seltenheit und die meisten haben mir dann auch erklärt, dass sie keine Lehrstelle für mich hätten. Irgendwann hatte sich dann aber ein Garten- und Landschaftsbaubetrieb in Dortmund gefunden, bei dem ich eine Lehre als Landschaftsgärtnerin beginnen konnte. Ein kleiner Betrieb. Dort habe ich dann mit meiner Lehre angefangen. Das war für mich erstmal die totale Umstellung. Man musste morgens um 7 Uhr da sein. Wir sind dann alle mit dem Chef in einem Transporter im ganzen Raum Dortmund auf Baustellen gefahren und haben alle möglichen gärtnerischen Tätigkeiten gemacht; z.B. Spielplatzbau, Pflanzen von Straßenbegrünung, Bäumen und Bodendeckern, usw. Die körperliche Tätigkeit war für mich so anstrengend, dass ich abends um 20.00 Uhr ins Bett gekippt bin. Weiterhin sind gefüllt Schubkarren nicht dort angekommen, wo sie hinsollten. Mein Körper hatte sich dann aber mit der Zeit daran gewöhnt.
Während der Lehre hat sich mein Interesse an wissenschaftlichen Themen, wie Biologie, Pflanzenphysiologie, Düngerlehre herauskristallisiert. Ich hatte gemerkt, das ist eher was für mich. Jetzt wusste ich, was ich in meinem Leben machen wollte: Ich wollte Biologie studieren! Auch wenn ich keine Lust mehr auf die Gärtnerlehre hatte, da es körperlich sehr anstrengend war und aufgrund der körperlichen Routinetätigkeiten zu wenig Kopfarbeit meinen Arbeitsalltag ausfüllte, habe ich sie durchgezogen. Das hängt sicherlich auch mit meiner Erziehung zusammen: „Was man anfängt, das macht man auch zu Ende“. Ich habe die Gärtnerlehre tatsächlich durchgezogen und meinen Abschluss zur Gehilfin im Garten- und Landschaftsbau geschafft. Ich war darüber mächtig stolz, auch wenn ich mich in vielen Situationen durchkämpfen musste und ordentlich geflucht habe.
Nach der Lehre habe ich in dem Garten- und Landschaftsbaubetrieb noch etwas gearbeitet, bis ich meinen Studienplatz „Biologie“ an der Universität in Bochum hatte. Meine Schwerpunkte während des Hauptstudiums waren Biochemie der Pflanzen und Pflanzenphysiologie.
Nach meiner Promotion habe ich mich nach Stellenanzeigen umgeschaut und beworben. Im Mai 2000 hatte es dann geklappt. Seit dem arbeitet ich am IWW Zentrum Wasser in Mülheim a. d. Ruhr als stellvertretende Geschäftsfeldleiterin in der mikrobiologischen Analytik. Seit 26 Jahren bin ich nun dort tätig.
Privat begeistert mich die Natur sowie sportliche Aktivitäten. Ich gehe gerne joggen, wandern, mache Stand-Up Paddling, fahre gerne Fahrrad und fotografiere. Das sind so meine Hobbys, sowie auch die Gartenarbeit.
Wie kam es denn, dass du am Institut für Wasserforschung promoviert hast? Es ist ja doch eine andere Richtung als vorher.
Durch den Reitsport hatte ich während meines Studiums privat eine Mitarbeiterin kennengelernt, die am Institut für Wasserforschung arbeitete. Birgit sprach mich an und fragte, ob ich nicht mal ein Praktikum beim Institut für Wasserforschung im Labor machen wollte. Sie könnten da jemanden im Rahmen eines Projektes gut gebrauchen. Ich hatte zugesagt, auch wenn ich das Institut für Wasserforschung bis dato gar nicht kannte. Es war ein gut ausgestattetes, neues Labor und ich habe mich dort sehr wohl gefühlt. Die Laborarbeit hatte mir Spaß gemacht. Ich hatte mich mit Enzymaktivität im Grundwasser beschäftigt. Nach dem Praktikum hatte ich dort als studentische Hilfskraft weitergearbeitet. Dann habe ich meine Diplomarbeit im Bereich Biochemie der Pflanzen in Bochum an der Uni geschrieben und erst versucht als Diplombiologin einen Job zu bekommen. Ich habe viele Initiativbewerbungen geschrieben und hatte ein paar Bewerbungsgespräche, aber irgendwie hat das nicht geklappt. Das Institut für Wasserforschung, wohin ich immer noch den Kontakt hatte, hatte mir dann von einem Graduiertenkolleg an der Universität Essen erzählt. Sie suchten noch eine Mitarbeiterin für ein Projekt, welches durch ein Stipendium finanziert wurde. Ich hatte dadurch die Möglichkeit, eine Dissertation zu schreiben und zu promovieren.
Die Beschäftigung am Institut für Wasserforschung war für mich ein Traum, da mir die Arbeit dort total Spaß gemacht hatte. Insofern wurde ich ein Mitglied des damaligen Graduiertenkollegs. Ich wurde über ein Stipendium finanziert sowie zusätzlich über eine halbe Stelle am Institut für Wasserforschung bezahlt. Ich hatte eine Arbeitsstelle mit netten Kollegen in Wohnortnähe in einem gut ausgestatteten Labor im Grünen. Die Forschungsarbeit mit den Kollegen hat mit sehr viel Spaß gemacht und unser Team konnte auch die Ergebnisse in mehreren Zeitschriften veröffentlichen. Nach der Promotion ergab sich die Möglichkeit, dort noch weiterzuarbeiten. Ich bekam kleinere Projekte. Meine Zukunft am Institut für Wasserforschung war aber ungewiss. Ich wollte jetzt Geld verdienen und eine Festanstellung haben. Ich war schon über 30 Jahre alt und hatte keine Lust mehr auf Zeitverträge. Deshalb hatte ich mich nach Stellenanzeigen umgeschaut und als Biologin im Dienstleistungsbereich im Wassersektor beworben. Am IWW in Mülheim hat es dann mit der Anstellung geklappt. Seitdem habe ich einen sehr abwechslungsreichen Beruf. Ich bin überwiegend im Büro, aber auch häufig bei den Kunden (Wasserversorger, Betreiber öffentlicher Gebäude, usw.) unterwegs und stehe auch ab und zu im Labor oder fahre auf Trinkwasserprobenahme. Da mein Wohnort weiter entfernt ist, bin ich Pendlerin. Die Strecke zwischen Schwerte und Mülheim beträgt 67 km. Das nimmt viel von meiner Freizeit in Anspruch. Wenn ich mich aber mit meinen ehemaligen Biologiekommilitonen treffe, dann wird mir sehr bewusst, dass ich mit meinem Job sehr viel Glück gehabt habe. Einige meiner Studienkollege sind im Lehramt gelandet, manche haben was ganz anderes gemacht, da sie als Biologin keine Stelle gefunden haben.
In was für einem Unternehmen arbeitest du?
Das IWW ist ein privates Labor, Hauptgesellschafter ist der DVGW, Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches, aber auch andere Wasserversorger sind Gesellschafter des IWW. Es ist ein An-Institut der Universität Duisburg-Essen. Wir haben neben den mikrobiologischen Abteilungen auch noch Abteilungen in anderen Fachbereichen. Wir decken sehr viele Themengebiete rund um das Thema „Trinkwasser“ ab, sodass wir viel interdisziplinär arbeiten. Wir haben zum einen die Wassertechno-logen, die die Wasserversorger bei verfahrenstechnischen Fragestellungen beraten. Außerdem haben wir noch die Abteilungen Korrosion, Anorganische Chemie und die organisch chemische Analytik. Das ist der Dienstleistungsbereich, die IWW Analytik und Service GmbH.
Dann haben wir auch noch die IWW Wasserforschung gGmbH. Die bearbeiten Forschungsprojekte. In den mikrobiologischen Forschungsprojekten kommen dann auch ein bisschen andere mikrobiologische Methoden zum Einsatz im Vergleich zu der Trinkwasseranalytik: Durchflusszytometrie, PCR-Technik und solche Sachen.
Mit den Gewinnen, die die Analytik erzielt, finanzieren wir die Forschung. Und obendrüber sitzt die sogenannte IWW Holding.
Unsere Kunden befinden sich eigentlich in ganz Deutschland. Die Analytik von Trinkwasserproben erfolgt bei Kunden, die schwerpunktmäßig am Niederrhein, in Duisburg, Düsseldorf, Köln, aber auch in Dortmund sitzen.
Der Trinkwasserbereich ist recht konservativ, viel hat sich dort in den letzten Jahren bezüglich der mikrobiologischen Trinkwasseranalytik nicht geändert. Auch wenn ich meine Arbeit schon seit vielen Jahren mache, mache ich sie immer noch gerne, weil ich gerne zu den Kunden fahre und immer wieder spannende Themen auftauchen.
Dein offizieller Titel ist stellvertretende Geschäftsfeldleiterin in der Mikrobiologischen Analytik, was genau bedeutet das?
Ich leite zusammen mit meinem Kollegen das mikrobiologische Labor. Wir sind also die Laborleitung. Für die Trinkwasseruntersuchungen haben wir insgesamt sechs BTAs. Wir organisieren das Labor, wobei wir mittlerweile BTAs haben die schon längere Zeit bei uns beschäftigt sind und diese sich eigentlich selbst organisieren.
Das IWW hat flache Hierarchien. Wir sind ein Team. Wenn im Krankheitsfall jemand ausfällt, heißt das, dass wir, obwohl wir mehr leitende Funktionen haben, im Vertretungsfall auch im Labor stehen und Trinkwasserproben ansetzen oder bei den Kunden die Trinkwasserprobenahmen durchführen. Wir beteiligen uns auch an Wochenenddiensten, die überwiegend auswertende Tätigkeiten umfassen. Die Trinkwasserproben, die am Freitag entnommen und untersucht werden, müssen am Samstag, manchmal auch an Sonn- und Feiertagen ausgewertet werden.
Wie sieht ein typischer Alltag aus?
Ich bin inzwischen bei einer Vier-Tage Woche. Homeoffice mache ich in der Regel einmal in der Woche, wenn das passt.
Mein typischer Alltag sieht so aus:
Mein Wecker klingelt um fünf Uhr, ich bin also die totale Frühaufsteherin. Das hängt damit zusammen, dass ich Pendlerin bin und der Verkehr ab 07:00 Uhr stark zunimmt. Wir haben flexible Arbeitszeiten. Ich fahre mit der Bahn nach Mülheim und komme dann meisten zwischen 8:00-8:30 Uhr am IWW in Mülheim an. In der Regel kümmere ich mich dann eigentlich erstmal um das Labor und die Auswertungen. Wir beschäftigen im Labor Mitarbeiter, die eine Ausbildung zur biologisch technischen Assistentin (BTA) gemacht haben. Sie werten morgens die mikrobiologischen Ergebnisse der Trinkwasserproben aus und kommen dann mit den Laborbüchern in unser Büro. Vorher haben sie die Ergebnisse aus dem Laborbuch in unser EDV-System, das Labor-Management-System übertragen. Um Übertragungsfehler zu vermeiden, kontrollieren sie sich dabei gegenseitig. Das heißt, eine Kollegin gibt das Ergebnis der Untersuchung in das Labor-Management-System ein und eine andere kontrolliert das Ergebnis nochmal und stellt das Ergebnis auf Freigabestufe 1. Die Laborleitung macht eine Plausibilitätskontrolle und setzt das Ergebnis anschließend auf die Freigabestufe 2. Dann werden sogenannte „Vorab-Prüfberichte“ verschickt. Das heißt in den Proben, wo auffällige Ergebnisse sind, wird der Kunde vorab informiert. Damit bin ich dann so bis ca. 10 Uhr beschäftigt. Ab 10 Uhr mache ich verschiedene Tätigkeiten, je nachdem was gerade wichtig ist. Manche Kunden wollen ein Angebot für die Trinkwasseruntersuchungen haben, deshalb bin ich dann mit der Angebotserstellung beschäftigt oder aber ich beschäftige mich weiter mit der Erstellung von Gutachten, die gerade anliegen. Finden Veranstaltungen statt, dann werden Vorträge zu Trinkwasserthemen vorbereitet. Mein Kollege und ich sind auch ehrenamtlich in fachlichen Gremien und Arbeitskreisen (Normung, DVGW-Regelwerke) aktiv.
Gegen 13-15 Uhr kommen die Probenehmer, die morgens mit den IWW-Dienstfahrzeugen zu den Kunden fahren und Trinkwasserproben für die chemische und mikrobiologische Analytik entnehmen, wieder. Die entnommenen Trinkwasserproben werden dann auf die Labore verteilt. Die Proben für die mikrobiologische Analytik werden dann gemäß der Verfahren der Trinkwasserverordnung untersucht. Es handelt sich um kulturelle, genormte Verfahren, die überwiegend auf der Membranfiltration und der Kultivierung der Bakterien auf selektiven Nährböden beruhen. Die mikrobiologischen Parameter, die im Trinkwasser untersucht werden sind: Die Koloniezahlen bei 22°C und 36°C, coliforme Bakterien, E. coli , Enterokokken, Pseudomonas aeruginosa, Legionellen, u.a.. Die Agarplatten der zu untersuchenden Trinkwasser-proben werden zur Bebrütung in die Brutschränke gegeben und dann nach bestimmter Zeit ausgewertet.
Die Beratung von Kunden bei mikrobiologischen Problemen in der Trinkwasserverteilung sowie die Erstellung von Gutachten gehört weiterhin zu den Aufgaben der Laborleitung. Wenn beispielsweise ein Krankenhaus ein Problem mit Legionellen im Trinkwasser hat, also Legionellen in einer erhöhten Anzahl nachgewiesen werden, wird eine hygienisch technische Bewertung der Trinkwasserinstallation durchgeführt.
Weitere Aufgaben der Laborleitung sind die Erstellung von Angeboten sowie die Durchführungen von Schulungen (z.B. Schulung zur Entnahme von Trinkwasserproben; Schulungen zum Thema „Hygiene in Trinkwasserinstallationen, u.a.). Ein weiteres wichtiges Thema in meinem Job ist die Qualitätssicherung. Trinkwasseruntersuchungsstellen sind akkreditierte Labore, d.h. sie verfügen über ein Qualitätsmanagementsystem. Es wird geprüft, ob die in den Normen beschriebenen Verfahren richtig durchgeführt werden. Dazu gehört z.B. die regelmäßige Temperaturkontrolle der Brutschränke z.B. mittels Datenlogger.
Was gefällt dir an deinem Job am besten?
Mein Beruf ist abwechslungsreich. Der Umgang mit den Kunden macht mir sehr viel Spaß. Weiterhin gibt es immer wieder neue Herausforderungen, um mikrobiologische Probleme in Wasserverteilungssystemen zu lösen.
Manchmal erlebt man auch witzige Dinge, z.B. bei der Probenahme:
Zum Beispiel eine Probenahme in einem Schwimmbad: In einem Fall hatte man das pH-Meter ins Beckenwasser für eine Messung gehängt und nicht weiter darauf geachtet…. und -zack- hat sich ein Badegast im Wasser dieses geschnappt, weil er meinte, das wäre ein Spielzeug und ist damit weggeschwommen.
Oder ein anderes Beispiel bei Schimmelbefall in der Sauna eines Schwimmbades: In einem Fall gab es einen Schimmelbefall in der Sauna eines Schwimmbades. Meine Kollegin und ich haben dort Luftmessungen durchgeführt. Um das Ergebnis nicht zu verfälschen, haben wir uns Anzüge, ähnlich wie bei der Spurensicherung angezogen und damit in der Sauna unsere Messungen durchgeführt. Bei den Messungen schaute dann auf einmal der Techniker des Schwimmbades von außen in das kleine Saunafenster und sah uns dort in den Anzügen sitzen. Ich weiß auch nicht mehr, warum, aber wir haben uns auf einmal kaputtgelacht, dass uns nur so die Tränen über die Wangen liefen (Situationskomik).
Ich mache den Job jetzt schon seit 26 Jahren und es macht immer noch Spaß, weil man nette Kollegen hat, die einem den Arbeitsalltag versüßen, auch wenn es nach 26 Jahren nicht mehr so viel Aufregendes gibt.
Gibt es auch etwas an das du dich erst gewöhnen?
Der Wochenenddienst ist manchmal nervig. Wir wechseln uns im Labor zwar untereinander ab, aber an sonnigen Wochenenden Labordienst zu haben, ist kein Spaß. Wenn dann noch eine Katastrophe passiert und man muss aufgrund eines schlechten Ergebnisses zum Kunden fahren und eine Nachprobe entnehmen und steht zusätzlich noch im Stau, dann ist man wirklich sauer.
In welches Gebiet musstest du dich erstmal einarbeiten?
Als ich am IWW angefangen habe, musste ich mich erst einmal mit der Trinkwasserverordnung und den Regelwerken zum Thema „Trinkwasser“ auseinandersetzen. Das lernt man nicht an der Uni. Weiterhin hatte ich weder Ahnung von der Technik der Trinkwasseraufbereitung, der Trinkwasserverteilung sowie der Schwimmbadwasseraufbereitung. Auch die Methoden der Trinkwasserprobenahmen und Trinkwasseruntersuchungen waren für mich neu sowie die Arbeiten in einem Trinkwasserlabor mit einem Qualitätsmanagementsystem. Hier gilt der Leitsatz: Was nicht dokumentiert ist, wurde nicht gemacht! Anfangs war ich eine Mitarbeiterin im mikrobiologischen Labor und habe auch Trinkwasserprobenahmen durchgeführt, um die Praxis kennenzulernen.
Was für weitere Fähigkeiten braucht man in deinem Job? Ist ein PhD Voraussetzung?
Einen Doktortitel braucht man für meine Stelle nicht. Er kann hilfreich sein, je nachdem mit welchen Kunden man es zu tun hat. Ich hatte damals promoviert, da ich als Diplom-Biologin keine Stelle gefunden habe.
Man benötigt für meinen Beruf naturwissenschaftliches, technisches Verständnis und den Spaß am Umgang mit den Kunden sowie die Bereitschaft, an Wochenenden zu arbeiten und auch Ortstermine wahrzunehmen, die ggf. einer weiteren Anreise bedürfen.
Hättest du dir jemals einen Wechsel in eine andere Position vorstellen können?
Klar, ich habe mich auch mal woanders beworben, weil ich mir gedacht habe, dass ich schon so lange am IWW bin. Neues bringt einen weiter! Ich hätte gerne eine Stelle in Wohnortnähe gehabt. Das tägliche Pendeln kostet mich ca. 3 bis 4 h Zeit pro Tag. Ich habe mich aber daran gewöhnt und bin auch mit meiner 4 -Tage-Woche zufrieden, die ich jetzt schon ca. 10 Jahre habe.
Wie sieht das Gehalt in deinem Job aus?
Ich habe damals mit einem Gehalt in Anlehnung an den BAT IIA anfangen. Dies entspricht ungefähr heute dem TV-L E13/E14. In der Industrie verdient man um einiges mehr. Ich bin aber zufrieden.
Rat an studierendes Ich
Ich bin immer noch der Meinung, man soll seinem Gefühl folgen und das machen, was einem Spaß macht und was einem liegt. Das bekommt man mit der Zeit raus. Dazu gehört auch, dass man auch schlechte Erfahrungen macht bzw. mal „auf die Schnauze fliegt“. Dadurch lernt man. Und man braucht natürlich als Biologe auch Glück. Es ist immer noch schwierig, als Biologe eine Festanstellung zu bekommen.
Man kann im Leben alles erlernen, wenn man die Motivation dazu hat. In der Regel hat man die Motivation, wenn einem der Job Spaß macht. Aber auch dann sollte man achtsam sein, und sein Privatleben nicht vernachlässigen.
Und wenn man das Gefühl hat, dass man doch etwas anderes machen möchte, dann sollte man den Mut haben und es einfach tun. Probieren geht über Studieren!
Vielen Dank Beate für das interessante Interview!
Ich hoffe, dass euch das Interview gefallen hat und ihr einen spannenden Einblick in den Alltag und die vielfältigen Aufgaben einer Biologin in leitender Position gewinnen konntet. Wer sich für weitere leitende Positionen interessiert, dem empfehlen wir unser Interview „Laborleiter Forschung & Entwicklung, Beiersdorf AG“! Ihr wollt nach der Uni in der Pharmaindustrie arbeiten? Dann lest hier weiter: „How to: Einstieg in Pharma“.