Arbeiten als Nachhaltigkeitsmanagerin – Interview mit Dana Kros

Nachhaltigkeit ist eines der Themen des 21. Jahrhunderts. Als Biolog:in denkt ihr wahrscheinlich erstmal an die Auswirkungen von Klimawandel, Flächenverbrauch und Ähnlichem auf Ökosysteme, Artenvielfalt und den Einfluss auf uns Menschen. Vielleicht auch daran, wie durch die Optimierung von Nutzpflanzen ihr dem Thema „Klimawandel“ entgegenwirken könnt. Aber die Umsetzung von Nachhaltigkeit beginnt schon viel früher. Nachhaltigkeitsmanager:innen beschäftigen sich ganzheitlich mit dem Vorantreiben von Nachhaltigkeitsthemen in Unternehmen und Organisationen, von Energie über Einkauf bis hin zum Abfallmanagement. Dies ist nicht nur aus umwelttechnischer Sicht wichtig, sondern auch ökonomisch für Unternehmen vorteilhaft und sinnvoll, weswegen der Beruf zunehmend attraktiv wird. Und auch wenn nicht direkt in der Biologie angesiedelt, ist ein Quereinstieg für uns Naturwissenschaftler:innen gut möglich.

Dana Kros ist eine davon. Sie arbeitet als Nachhaltigkeitsmanagerin in einem Klinikum und erzählt uns heute alles, was ihr über den Beruf und Einstieg wissen solltet. Viel Spaß mit dem Interview!

Hallo Dana, stell dich doch erstmal kurz vor. Wer bist du und was machst du als Nachhaltigkeitsmanagerin?

Mein Name ist Dana Kros. Ich habe Molekulare Biotechnologie im Bachelor und Master an der Universität Bielefeld studiert. Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Nachhaltigkeit und hatte die Chance dem Thema während meines Studiums ehrenamtlich in der btS – Life Sciences Studierendeninitiative e.V. nachzugehen. Als Nachhaltigkeitsmanagerin darf ich dieser Leidenschaft nun auch im Job nachgehen. Seit zweieinhalb Jahren arbeite ich am Klinikum Bielefeld und treibe dort Nachhaltigkeitsthemen in sämtlichen Bereichen von Energieeffizienz über Ernährung bis Abfallmanagement voran.

Profilbild von Dana Kros, Nachhaltigkeitsmanagerin

Dana Kros, Biologin und Nachhaltigkeitsmanagerin © Klinikum Bielefeld

Wie ist dein Werdegang und wie bist du zu diesem Beruf gekommen? Du hast vorher als Molekularbiologin in einem PCR-Labor gearbeitet, wieso hast du gewechselt?

Mein Berufseinstieg war 2022 als Molekularbiologin im PCR-Labor während der Covid-Pandemie. In dieser Zeit drehte sich alles um Corona und irgendwann habe ich mich nach Abwechslung gesehnt. Nachhaltigkeitsmanagement stellt eine sehr abwechslungsreiche Arbeit mit Einblick in viele verschiedene Bereiche und Themen dar. Das gefällt mir besonders gut.

Zum Beruf bin ich vor allem durch mein Engagement bei der btS gekommen. Die Life Science Studierendeninitiative organisiert Veranstaltungen zur Karriereorientierung und ist deutschlandweit an Universitäten und mit der Industrie vernetzt. Wer sie noch nicht kennt, dem kann ich nur empfehlen, mal zu schauen, ob sie an der eigenen Universität vertreten ist.

Jedenfalls war ich dort während meines Studiums sechs Jahre aktiv und habe an den unterschiedlichsten Projekten mitgewirkt und viele verschiedene Berufe kennengelernt. Drei Jahre lang war ich zudem Leiterin der AG Nachhaltigkeit und habe mich mit dem Thema „Nachhaltigkeit im Labor“ beschäftigt und konnte in dieser Zeit viele interessante Projekte umsetzen. Dabei habe ich gemerkt, dass ich am liebsten in diesem Themenbereich langfristig arbeiten möchte. Diese Erfahrungen haben mir auch bei der Bewerbung später sehr geholfen.

Seit 2023 arbeite ich als Nachhaltigkeitsmanagerin am Klinikum Bielefeld. Ohne meine Erfahrungen bei der btS hätte ich sicherlich einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen. Ich merke immer noch regelmäßig, dass mir meine in der btS-Zeit erlernten Skills im Berufsalltag weiterhelfen.

Wie können wir uns deinen typischen Arbeitsalltag vorstellen?

Mein Arbeitsalltag kann sehr unterschiedlich aussehen. Ich habe einen Büroarbeitsplatz im Verwaltungsgebäude, an dem ich mich überwiegend aufhalte. An den meisten Tagen kümmere ich mich um das Projektmanagement und koordiniere unsere Nachhaltigkeitsprojekte und Maßnahmen. Dazu zählt der Aufbau eines Energiemanagementsystems, die Optimierung des Abfallmanagements im OP, die Optimierung des Speisenangebots und die Optimierung der Fahrradstellplätze. Ich war zum Beispiel Projektleitung für den Aufbau unseres Energiemanagementsystems und habe regelmäßige Energieteam-Sitzungen moderiert, die zahlreichen Aufgaben priorisiert und den Erledigungsstand der Aufgaben abgefragt und dokumentiert.

Mein Ziel ist, das Thema Nachhaltigkeit im ganzen Unternehmen voranzutreiben. Es gibt einen Lenkungskreis Nachhaltigkeit, in diesem Gremium haben wir unsere Nachhaltigkeitsstrategie mit Zielen und Schwerpunktthemen definiert. Meine Aufgabe ist es, die Schwerpunktthemen zu verfolgen und die Umsetzung von Maßnahmen und Projekt mit den jeweiligen Bereichen zu begleiten. Dafür muss ich auch in die jeweiligen Bereiche gehen, zum Beispiel in den OP-Bereich für die Optimierung des Abfallkonzepts im OP. Für dieses Pilotprojekt haben wir eine Projektgruppe gegründet und uns gemeinsam die Abfallströme im OP-Bereich angeschaut und ein optimiertes Trenn- und Recyclingkonzept entwickelt. Dann wurden geeignete Abfallgestelle beschafft und die Mitarbeitenden geschult und das Abfallkonzept an einem Standort eingeführt. Nach Evaluation des Pilotprojekts wird das Konzept auch auf andere Krankenhaus-Standorte ausgeweitet.

Was macht dir besonders viel Spaß an deinem Beruf und woran musstest du dich erstmal gewöhnen?

Die Zusammenarbeit mit den Bereichen macht mir besonders viel Spaß: weg vom Schreibtisch und rein in den Arbeitsalltag der Kolleg:innen, ob im OP, der Technik oder in der Küche.

Ein Schwerpunktthema ist für uns die nachhaltige Speisenversorgung. Wir haben mit der Optimierung unseres Speiseplans begonnen und ich durfte mit dem Küchenpersonal einen Aktionstag veranstalten, bei dem man die neuen veganen Curry Chunks aus Soja mal ausprobieren konnte. Es fühlt sich gut an, andere Menschen zu inspirieren und sie für das Thema von Nachhaltigkeit zu überzeugen.

Spontanität sollte man bei dem Beruf mögen, da manche Aufgaben auch ganz unerwartet kommen. Beispielsweise ein Fotoshooting auf dem Dach, weil dort die PV-Anlage zu sehen ist oder das Pflanzen eines Apfelbaums im Rahmen einer Baumpflanz-Challenge.

Multitasking-Fähigkeit und Durchhaltevermögen sind auch wichtige Eigenschaften als Nachhaltigkeitsmanager:in, da man an vielen Projekten parallel arbeitet und sich manche Projekte auch mal jahrelang hinziehen können. Das kann phasenweise auch mal frustrierend sein. Umso schöner ist es dann, wenn in einem Projektteam gemeinsam ein Erfolg gefeiert werden kann.

Es gehört auch zum Beruf, Überzeugungsarbeit zu leisten. Generell werden Veränderungen nicht immer von allen Mitarbeitenden akzeptiert. Nachhaltigkeit konkurriert oft mit Kosten, Zeitdruck und dem Gedanken „Das haben wir schon immer so gemacht“. Das kann zäh sein, gehört aber irgendwie dazu.

Dana vor den Solaranlagen auf dem Klinikumsdach

Auch Fotoshootings gehören für Dana zum Beruf. Insbesondere, wenn man damit die Nachhaltigkeitsmaßnahmen präsentieren kann. © Klinikum Bielefeld

Wie sehen die Rahmenbedingungen deines Jobs aus?

Am Klinikum bin ich in Vollzeit beschäftigt, arbeite in Gleitzeit und es gilt der Tarifvertrag des öffentlichen Diensts.

Mobiles Arbeiten ist grundsätzlich möglich, jedoch erfordert Projektarbeit auch eine gewisse Präsenz vor Ort. Die Mitarbeitenden sollen mich am besten auch kennen oder mich zumindest schon mal gesehen haben, damit sie Ihre Nachhaltigkeitsideen bei mir einreichen. Das ist in einem so großen Betrieb mit mehreren Standorten und Schichtbetrieb gar nicht so einfach.

Gibt es typische Karrierewege, die du als Nachhaltigkeitsmanagerin gehen kannst?

Als Nachhaltigkeitsmanagerin hat man viel Kontakt zu anderen Abteilungen, zum Beispiel zur Technischen Abteilung, zum Abfallmanagement, zum Betriebsgesundheitsmanagement (BGM), zur Arbeitssicherheit, zum Einkauf oder zur Geschäftsführung. Die Stelle kann auch in allen Bereichen angegliedert sein und ein Wechsel in andere Positionen ist dadurch auch naheliegend.

Am Klinikum Bielefeld wurde die Stabsstelle Arbeitssicherheit und Umweltschutz um den Bereich Nachhaltigkeit erweitert, auch das BGM ist hier aktuell angegliedert. Ich habe dadurch einen guten Einblick in das Feld Arbeitssicherheit erhalten und starte nun mit einer Weiterbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit, um meine Fachkenntnisse auch in diesem Bereich auszubauen. Aktuell bin ich kommissarische Leitung dieser Stabsstelle.

Eignet sich der Job als Nachhaltigkeitsmanager:in für Berufseinsteiger:innen? Welche Fähigkeiten braucht man und wie erlernt man diese?

Der Beruf als Nachhaltigkeitsmanagerin ist für Berufseinsteiger:innen grundsätzlich gut machbar, vorausgesetzt man ist motiviert, sich in neue Themen einzuarbeiten und verfügt über einige Soft Skills. Zu den wichtigsten Fähigkeiten zählen ein naturwissenschaftliches Grundverständnis (Klimawirkung und CO2-Bilanzierung), analytisches Denken, gute Kommunikationsfähigkeiten (auch Networking ist wichtig), gute Selbstorganisation, Geduld und eine gewisse Frustrationstoleranz.

Auch Soft Skills wie Kommunikation und insbesondere Projektmanagement-Erfahrung bereiten einen auf diesen Job vor. Diese habe ich durch meine Zeit in der btS gelernt, insbesondere in der Zeit als ich im Vorstand war und auch durch die Ausbildung zur Soft-Skill-Trainerin, die ich dort absolvieren durfte. Aber auch die ganzen anderen Projekte und die Netzwerk-Möglichkeiten in der btS waren sehr hilfreich. Ich kann euch also wirklich nur empfehlen, bei der btS mitzumachen. Zudem bin ich seit 2017 beim Foodsharing aktiv, womit ich noch zusätzlich zeigen konnte, dass ich für Nachhaltigkeitsthemen brenne.

Gibt es noch etwas, was man wissen sollte oder du über deinen Beruf erzählen möchtest? Gibt es Tipps, die du Interessierten mit auf den Weg geben möchtest?

Im Nachhaltigkeitsmanagement braucht man nicht alles selbst neu erfinden. Austausch mit anderen Nachhaltigkeitsmanager:innen ist extrem wertvoll, um von Best Practice Erfahrungen anderer zu profitieren oder gemeinsam Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Zum Schluss: Hast du einen Ratschlag oder eine Lektion, die dir in deinem eigenen Karriereweg geholfen hat?

Am Anfang meines Studiums wusste ich nicht in welche Richtung ich mich spezialisieren soll und wo ich später mal arbeiten möchte. Insbesondere die Arbeit im Ehrenamt (in der btS) hat mir dabei geholfen, über den Tellerrand zu schauen, mich persönlich weiterzuentwickeln und meine Leidenschaft zur Nachhaltigkeit zu finden. Ich kann nur empfehlen, den Mut zu haben, der eigenen Leidenschaft zu folgen und damit seinen eigenen Weg zu gehen!

Danke für deine Einblicke!

Und habt ihr jetzt Lust auf Nachhaltigkeitsmanagement gekriegt? Wir schon! Nachhaltigkeitsmanager:innen sind nicht nur in Kliniken unterwegs. Ines aus unserem Team arbeitet als Nachhaltigkeitsmanagerin bei der Caritas, eine andere Bekannte in der Abfallwirtschaft. Ihr seht also, ihr habt vielfältige Möglichkeiten und gute Chancen, in den Beruf zu kommen.

Falls die Richtung stimmt aber ihr noch andere Optionen in Betracht ziehen wollt, schaut doch in unser Interview mit einer Referentin für Bioökonomie beim NABU rein, die Entwicklungen im Nachhaltigkeitsthema Bioökonomie für den Naturschutzverband einordnet. Oder vielleicht wollt ihr lieber als Biologin in die Landschaftsplanung, um Bauvorhaben naturschutzfachlich einzuordnen. Viel Spaß beim Weiterlesen.